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Totensonntag am Mittwoch

 

Sichtung von toten Völker durch Guido Eich

 

Am 22. Januar 2020 traf sich der Imkerverein Hatten und Umgebung, um sich mit dem Totenfall von Bienenvölkern der letzten Zeit zu beschäftigen. Es war dem 1. Vorsitzenden Peter Franz wieder gelungen, Guido Eich für diese Veranstaltung zu gewinnen.

Im Verlauf des Abends sollten einige Probleme mit dem hohen Ausfall von Völkern durch die Witterungsverhältnisse im Sommer 2019 erklärt werden. Die hohen Temperaturen erlaubten keine frühzeitige Varroabehandlung im Juli. Anschließend waren im August die Temperaturen kühl, was auch eine Ameisensäurebehandlung in gewohnter Weise behinderte. Im September schließlich waren die Witterungsverhältnisse so, dass die Völker intensiv brüteten. Im Oktober musste genau geschaut werden, einmal nach der Milbenzahl, zum anderen nach dem Gewicht. Und in der Folge musste entweder eine Ameisensäurebehandlung gemacht werden oder/ und Futter gegeben werden. Mitte Ende November waren die Völker in der Regel brutfrei, und es gab die ersten Ausfälle. In diesem Jahr konnte die Oxalsäurebehandlung bis zum 5./ 6. Dezember durchgeführt werden, danach nicht mehr, weil die Völker bereits wieder brüteten. Der milde Witterungsverlauf jetzt auch im Januar kann zur nächsten Sterbewelle bei Eintritt eines Kälteeinbruchs führen. Die Vegetation läuft den normalen Witterungsverhältnissen 4-6 Wochen voraus.
Noch jetzt kann man kleine Völker, die weniger als drei Wabenreihen besetzen, im Block zusammenlegen, ohne sie durch Futterwaben zu trennen, damit sie eine große Winterkugel bilden.
Bei Flugwetter muss darauf geachtet werden, dass Räuberei verhindert wird. Zur Weidenblüte sollten bis auf drei Futterwaben alle übrigen entnommen werden, um einen kühlen Futterblock zu vermeiden.

Im Verlauf des Abends schaute sich Guido Eich die 5 mitgebrachten Völker an. Bei der Betrachtung der gezogenen Rähmchen soll man zunächst einmal darauf achten, ob man in den Waben etwas Gegenständliches wie z.B. eine Made, Puppe, Honig, Pollen etc. erkennen kann. Solange das der Fall ist, kann man einen Befall mit amerikanischer Faulbrut ausschließen. Kann man allerdings nichts Gegenständliches erkennen, und man führt mit einer Pinzette eine Probe durch, wobei sich ein Faden gummiartig zieht und kann den Vorgang beim Öffnen und Schließen der Pinzette wiederholen, liegt der Verdacht auf Amerikanische Faulbrut nahe. In dem Fall muss der Vorgang beim ersten Vorsitzenden/ BSV/dem Veterinäramt des Landkreises gemeldet werden. Nimmt man eine Pinzette und holt eine kleine, kurze Biene aus der Wabe , handelt es sich um Varroabefall. Ist die Larve braun und sackartig, liegt der Verdacht auf Sackbrut nahe. Ist die Larve flauschig wie das Ende eines Q-Tipps, dabei leicht zu zerbröseln, kann es Kalkbrut sein.

Um herauszufinden, wann die Bienen gestorben sind, kann man Proben durch Zerreiben machen:
• Zerbröseln sie in der Hand wie Tabak, sind sie schon im Herbst gestorben.
• Ist die Hand dabei gelbbraun, war die Kotblase voll und die Bienen starben im Vorwinter.
• Sind sie nach dem Reinigungsflug gestorben, ist die Hand schwarz.

Normalerweise liegen die toten Bienen zentral unter der Winterkugel. Sind die toten Bienen auf dem gesamten Boden verteilt, spricht es dafür, dass die Königin nicht mehr vorhanden war. In dem Fall bilden die Bienen keine Winterkugel. Gibt es reichlich Totenfall, aber noch ein lebendiges Volk in der Beute, wurde ein Reinigungsflug durchgeführt, wobei auch die Toten aus dem Stock geworfen werden.

Um herauszufinden, ob die Bienen Parasiten haben, macht man den Bond – Test: Man wirft eine Handvoll Bienen in ein Honigglas mit Wasser und einem Tropfen Pril. In dem man das Glas heftig durchschüttelt, lösen sich, falls vorhanden, Parasiten von den Bienen und und sind im Strudel des Wassers mit einer Taschenlampe sichtbar zu machen. Es dürfen maximal 2 Varroen sichtbar sein.

Guido Eich empfiehlt, im Winter eine Wabe weniger pro Zarge einzusetzen, dann kann man leichter arbeiten. In manchen Zellen sieht man weiße Punkte, Varroakot.

Ein Pollenring um das gesamte Brutnest spricht für den Befall mit Varroa.

Man soll bei einer Ausschlagprobe eine Wabe ausschlagen, indem man an die Seitenteile fasst und auf einem Blatt Papier kräftig ausklopft. Dann kommt der Müll der letzten 3 Wochen zum Vorschein.

Guido Eich rät, Futtervorräte von kranken Völkern im Restmüll zu entsorgen oder einzugraben. Eine Wiederverwertung ist nicht möglich, weil wahrscheinlich Folgeinfektionen sich anschließen. Auch das Einschmelzen voller Futterwaben ist nicht sinnvoll, weil ein kleiner Anteil an Wachs gewonnen wird und sehr viel Energie benötigt wird, um auch den Honig auf Hitze zu bringen, der dann als süße Brühe übrigbleibt.

Man kann einen Bienenfriedhof legen. Dazu nimmt man zwei Hände voll toten Bienen und sortiert
sie nach Größe.
Zunächst sucht man die größte Biene und legt sie ganz nach oben, dann die allerkleinste und legt sie nach unten. Alle Bienen werden an diesen beiden Extremen gemessen und nach der Größe entweder in die obere Reihe zur größten Biene oder zwischen die Extreme oder in die Reihe der kleinsten Biene abgelegt.
Es entsteht ein Dreieck, das auf der Spitze steht, mit vielen großen Tieren und wenigen kleinen. In diesem Fall ist die Ursache nicht so leicht zu bestimmen.
Ergibt sich dabei ein Dreieck ähnlich einer Pyramide, mit wenigen großen und vielen kleinen Bienen, liegt Varroabefall vor.

Man kann auch eine Handvoll von toten Bienen in eine große Plastiktüte tun, die aufgeblasen wird. Beim Schütteln bleiben Bienenflügel und auch Varroen an der Plastikhaut hängen und können sehr gut betrachtet werden.

Guido Eich empfiehlt Völker mit alten Königinnen im Herbst zusammenzulegen, da sie weniger widerstandsfähig sind, die Tiere putzen sich nicht so intensiv. Die alten Völker soll man einfach übereinanderstellen, eine Königin wird überleben.

 
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